nun ist die Tour de Hallingdal vorrüber, das Zeitfahren lief wie erwartet. Doch davor, am Samstagabend, gab es das große Teilnehmerbankett bei dem ich voll abräumte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich alle möglichen Trikots, gelb, weis, grün und rot-gepunktet, ist ein sehr cooles Erinnerungsfoto geworden. Der Veranstalter beschaffte mir sogar noch eine Scheibe fürs Zeitfahren um meinen Materialnachteil etwas auszugleichen, von einem Teamkollegen bekam ich dann noch ein Ultrahochprofilvorderrad. So sah ich eine kleine Chance gelb zu verteidigen, doch letztenendes hatte ich die nicht. Mein Gegner war nur 9 sek zurück und ist in Norwegen als Zeitfahrer sehr bekannt und für mich war es abgesehen vom Prolog mein allererstes Zeitfahren. Ich schaffte auf den 16,3 km dann "nur" einen knappen 43er Schnitt und war damit 5km/h zu langsam. Ziemlich unglücklich verlor ich sogar noch den zweiten Platz in der Gesamtwertung, mit nur einer Sekunde Rückstand. Zudem musste ich das weiße Trikot zurückgeben, da plötzlich die Regeln für dieses Trikot geändert würden und ich dann zu alt war. Das war ziemlich komisch, da ich schon in diesem Trikot gefahren bin und denen ziemlich spät einfiel, dass es mit ihren Regeln ein U24 Trikot war und nicht U23. Ich denke, ich hatte zu viel gewonnen und jemand wollte noch etwas vom Kuchen abhaben...
Auf der 50km langen Schlussetappe ging es dann für mich darum, das Grüne und das Bergtrikot zu verteidigen. Für letzteres musste ich eine von fünf Bergwertungen (ein ansteigender Sprint mit ca 20hm) gewinnen. Ich konzentrierte mich gleich auf die Erste und sicherte mir diese überlegen. Das Sprinttrikot verteidigte sich dann von alleine, da sich vier Mann absetzten konnten und die entscheidenden Punkte im Ziel wegnahmen.
Mit 2 Etappensiegen, dem 3. Platz im Gesamtklassement, dem grünen und dem Bergtrikot (und eigentlich auch dem Weißen) sowie einem Tag in Gelb kann ich mehr als zufrieden sein. So war das ein schöner Abschluss meiner Rennfahrerei in Norwegen, die nächsten Berichte gibt es dann wieder aus Deutschland. Ich freu mich schon drauf mit euch auf vollabgesperrten Straßen(!!!) und auf 1,5km langen Rundkursen zu fahren.
heute gab es die Königsetappe meiner kleinen Rundfahrt, zwar nur 52km lang aber mit einer schönen 8km langen und 6,2% steilen Schlusssteigung. Also genau mein Ding! Bis zur Steigung war es ruhig, aber unten rein wurde gleich voll attackiert. Ich hängte mich dran und schon nach einem Km waren wir zu zweit weg, das gelbe Trikot war abgehängt. Da morgen das Zeitfahren ist, wusste ich, dass ich heute viel Zeit gutmachen musste, weshalb ich nicht lange warten wollte und drüberattackiert habe. Schnell hatte ich 20 sek Vorsprung, doch dann kam die einzige Serpentine und mit ihr der Gegenwind auf den restlichen 4,5km. Alleine kämpfte ich um den Vorsprung während die Gruppe hinter mir (ca. 4 Mann) zusammen gegen mich und den Wind arbeite. Dadurch konnte ich meinen Vorsprung nicht ausbauen, konnte noch 15 sek ins Ziel retten und so einmal mehr demonstrieren, dass ich mit Abstand der beste Kletterer bin. Mit dem Abstand habe mir auch das gelbe Trikot geholt, allerdings habe nur 6 sek Vorsprung und habe so morgen im Zeitfahren keine Chance es zu verteidigen. Sämtliche Konkurrenten haben nämlich die komplette Zeitfahrausrüstung, während mir nur mein normales Rad bleibt. Den Unterschied kann ich selbst durch bessere Form nicht ausgleichen :-( Deswegen bin ich trotzt des Sieges leicht enttäuscht.
Im Augenblick fahre ich meine erste Rundfahrt, die Tour de Hallingdal, auch wenn es "nur " eine Jedermannrundfahrt ist. Am Mittwoch gings Los und bis Sonntag gibt es 7 Etappen zu absolvieren. Nachdem ich viel rumgereist war, war ich mir meiner Form sehr unsicher, doch sie hat mich bis jetzt nicht im Stich gelassen. Los ging es am Mittwoch mit einem Prolog, bei dem ich völlig überraschend den vierten Platz belegen konnte, das in meinem allerersten Zeitfahren und gegen Konkurrenz mit passendem Zeitfahrmaterial während ich halt mein normales Rad hatte. Danach standen zwei Flachetappen auf dem Programm, welche ich im Massenspurt auf Platz 5. bzw. im Spurt einer 15 Mann starken auf dem zweiten Platz beenden konnte. Dafür das das alles nicht mein Terrain war, lief es ja schon gut! Mit diesem Platzierungen durfte ich heute als Ersatzträger das grüne Trikot des besten Sprinters tragen (das ist ja genau mein Trikot...), und das bei der ersten Bergetappe die heute stattfand. Endlich. Einziger Haken der Etappe war, dass es vom Gipfel noch 25km flach mit starkem Seitenwind weiterging, dieses Stück wollte ich nicht alleine absolvieren. Also sparte ich mir am Anstieg (5km mit 8%) die große Attacke, fuhr so, dass nur 4 folgen konnten, und holte mir die Bergpunkte ohne dabei eine Sekunde die Kontrolle über das Renngeschehen zu verlieren. Im Flachen arbeiteten wir zusammen und deklassieren so den Rest. Auf dem letzten Kilometer wurde es wieder unruhig mit einigen Attacken, doch ich konnte folgen und war im Spurt dann der Stärkste. Damit habe ich auch dieses Jahr mein Sieg eingefahren, und mir das Bergtrikot gesichert. In der Gesamtwertung liege ich nun mit 9 sek Rückstand auf dem zweiten Platz, morgen geht es mit einer Bergankunft weiter, da werde ich dann richtig Angreifen!!!!

Am Sonntag bin ich westlich des OSlofjords die 165km lange Vestfold rundt gefahren. Nachdem deutschen Grand Prix Sieg am Samstag Abend stand ich nach längerer Zugfahrt zum Startort etwas müde und unmotiviert am Start. Das Rennen begann dann auch sehr gemütlich, keiner wollte auf den ersten Kilometern Tempo machen, mir wars recht. Am ersten ordentlichen Anstieg nach 15km fanden sich doch einige die Gas geben wollten. Ich bin halt mitgefahren und oben hatten wir schon einen guten Vorsprung. Eigentlich wollte ich nicht so früh in eine Ausreißergruppe aber da ich schonmal dabei war, fuhr ich mit. Mit mir waren es noch 11 Andere, darunter sogar zwei mit unrasierten Beinen! Wie sich nach dem Rennen rausstellte waren dies zwei Profilangläufer, davon einer aktueller Olympiasieger. Die Gruppe harmonierte gut und das Feld schnell geschlagen. Ich selbst war mir nicht sicher, ob ich diese Flucht 150km bis zum Ziel durchhalten würde, fühlte ich mich nicht so wahnsinnig gut. Doch meine Beine wurde auch lange nicht schlechter, lediglich ein sehr welliger Abschnitt nach ca. 125km führte zu einem fürchterlichen Krampf, den ich ewig nicht rausbekommen habe. Dennoch konnte ich mich in der Gruppe halten, und mit der Zielnähe nahm auch meine Motivation, noch etwas zu reißen, zu. Im letzten Anstieg 10km vor Schluss habe ich dann voll attackiert, kam auch weg, im flacheren Stück konnte ich das dann leider nicht so durchziehen, so dass alles wieder zusammenkam. In diesem Augenblick attackierten zwei Andere, ich konnte nicht folgen und der Rest schaute sich an, somit waren sie weg. Im Zielsprint nach etwas mehr als 4 Stunden kam ich dann auf den 7. Platz, das Feld hatte 10 Minuten Rückstand. Nach 150km in der 12 Mann Gruppe war das auf jeden Fall eine klasse Leistung. Die langen Rennen machen mir wirklich Spaß! Am grünen Tisch wurden noch 3 vor mir liegende Fahrer disqualifiziert, da sie die Verkehrsregeln gebrochen hatten (falschrum im Kreisverkehr gefahren). So etwas würde es in Deutschland nicht geben! Dabei waren die Kreuzungen und Kreisel recht gut abgesperrt, in einer kleineren Gruppe braucht man ja auch nicht soviel Platz, so dass es gar kein Problem ist, dass die Straßen nicht voll geperrt sind. So wars dann sogar Platz 4.
http://www.emit.biz/races/2010.05.30/Vestfold_Rundt_2010/resultat/COURSE1M.HTM
nachdem ich mich etwas länger nicht gemeldet habe, da das letzte Rennen wortwörtlich ins Wasser gefallen ist, gibt es diese Woche wieder einen Rennbericht. Diesmal stand kein Turrennen auf halbabgesperrten Straßen auf dem Programm sondern norwegens höchste Amateurklasse mit dem Namen NorgesCup. Von dieser Art gibt es nur 5 Rennen im Jahr, dementsprechend hohe Priorität hat es. So standen neben allen norwegischen Amateuren, die etwas auf sich halten, auch 3 komplette Kontinentalteams und ein Profi von Skill-Shimano am Start. Das erfuhr ich zum Glück erst am Tag des Rennens, sonst hätte ich es mir vielleicht noch anders überlegt. Noch mehr Angst als vor diesen Profis hatte ich aber vor der Renndistanz von 164km aufgeteilt in 6 leicht wellige Runden a 27km. Deshalb war meine Taktik so viel Energie wie möglich zu sparen und möglichst billig im Feld mitzufahren. Vom Profil her ähnelte der Kurs etwas Aichach. Es gab einige längere Wellen, die aber nicht soo lang und steil waren. Von meiner Mannschaft starteten noch 3 andere und zum Glück hatten wir auch zwei Betreuer, welche uns mit Flaschen versorgen konnten. Am Start war ich sehr zeitig um bei dem 200 Mann Feld nicht gleich ganz am Schluss sein zu müssen, so konnte ich mich in der zweiten Reihe aufstellen. Das sollte auch so ziemlich meine vorderste Position im Rennen werden. Die Ansage vor dem Start brachte mich erneut zum zweifeln: Man sollte Kreisverkehre und Kreuzungen nur auf der rechten Seite passieren, wegen dem Verkehr, und bei Autos auf der Strecke Platz machen. Hallo?!? Ich dachte das ist die wichtigste norwegische Rennklasse, warum sind dann die Straßen nicht vernünftig gesperrt?!? Hier waren 200 starke Fahrer am Start, nicht nur 30 wie in den letzten Rennen.
Nach dem Start ging es auch gleich voll zur Sache und ich merkte, dass ich schon lange nicht mehr in einem großen Feld gefahren bin. Zum Glück bin ich vorne gestartet, denn nach wenigen km war das halbe Feld schon an mir vorbei. Bei den Kreuzungen hielt sich tatsächlich der größte Teil des Feldes an die Regeln, auch wenn das Stopp (fast Stillstand) and go (50km/h) bedeutete. Noch schlimmer als die Verengungen an Kreuzungen und Kreisverkehren waren auf der Fahrbahn stehende Autos. Wenn 100 Fahrer im Feld vor einem fahren, sieht man die einfach nicht (bei 50km/h), was echt brutal gefährlich ist. Gerade am Anfang war das Feld noch etwas nervös, was zu einigen hektischen Situationen führte. Hier muss man allerdings norwegische Radfahrer loben! Insgesamt fahren die viel ruhiger und reagieren besser als in Deutschland. Bei einem Hindernis machen alle Platz. So habe ich im ganzen Rennen auch nur einen einzigen Sturz gesehen, und der war selbstverschuldet und ziemlich dumm.
Zurück zum Rennen: Bereits kurz nach dem Startschuss konnte sich eine ca. 20 Mann starke Gruppe absetzen, alle wichtigen Teams hatten jemand dabei, so dass man sie ziehen ließ. Ich war allerdings genug damit beschäftigt mich im Feld zurechtzufinden, und dabei zu bleiben (Schnitt auf den ersten 30km war 44km/h). Einigen gelang dies nicht (auch zweien meiner Teamkollegen), so dass nach einer Weile das Feld kleiner und ruhiger wurde. So wurde die Trinkflaschenaufnahme zu meinem größten Problem. Die Verpflegungszone lag in einem leicht abschüssigen Teil, bei 50km/h wirds echt schwierig die aufzunehmen. Nach einem Fehlversuch probierte ich es mit Ruhe und langsamer Geschwindigkeit. Das klappte dann auch, das ganze Feld hatte die selben Probleme, weshalb das Tempo nicht so hoch war.
Mit zunehmender Distanz kam ich mit der Meute immer besser zurecht, allerdings meldeten sich auch meine Beine. In den flachen Abschnitten war es ein gemütliches dahinrollen, die Wellen taten aber ziemlich weh, auch weil ein KT-Team nochmal Gas geben wollte. Die letzten zwei Runden waren dann wirklich ein Kampf, meine Energie ging zur Neige und einige wollten noch ihr Tagesresultat retten und attackierten. So bekam ich den ersten Krampf auch schon 45km vorm Ziel, konnte mich in der Abfahrt allerdings etwas erholen und hoffe danach jeweils über die nächste Welle zu kommen. Letztendlich ging es sehr vielen ähnlich, so dass ich tatsächlich im Feld (immernoch 90 Mann) nach etwas unter 4 Stunden über den Zielstrich fuhr, einige Meter vor dem Skill-Shimano Fahrer. Ich war wirklich fertig, aber super zufrieden durchgefahren zu sein. 4 Stunden im Rennen fühlt sich nochmal ganz anders an als 70km in der C-Klasse. Mehr als mitfahren war heute wirklich nicht drin, die Distanz hat es schwer genug gemacht. Hätte absolut nicht gedacht, dass das Niveau hier so hoch ist, immerhin 100 Fahrer haben das Ziel innerhalb von 5 Minuten zum Sieger erreicht.
Ich werde auf jeden Fall immer optimistischer, bisher läuft es wirklich wie am Schnürchen, nächste Aufgabe ist die sogannte Vestfold Rund, westlich des Oslofjords.
An Christi Himmelfahrt stand die 55km lange Askerrund auf dem norwegischen Terminkalender. 25km südlich von Oslo gab es dabei haufenweise Höhenmeter durch mehrere anspruchsvolle Anstiege, auch zum Zielstrich ging es wieder 2km bergauf. Aus diesem Grund habe ich mich schon lange auf dieses Rennen gefreut, war es doch auf mich maßgeschneidert. Diese Freude wurde jedoch anfangs der Woche von der Wettervorhersage fast vernichtet: Sintflutartige Regenfälle waren vorhergesagt. Diese Vorhersage sollte zum Glück nicht recht behalten, zwar gab es einstellige Temperaturen, doch der Regen blieb aus.
Am Start waren einige vom Ceresritt bekannte Gesichter zu sehen, auch der Kontinentalprofi von Joker-Bianchi ließ sich nicht lumpen. Im Rennen wurde dann auch von Beginn an vom starken Heimatclub attackiert, es konnte sich auf den ersten Rennkilometern aber niemand absetzten. Ich hielt mich zurück und versuchte möglichst sparsam vorne dabei zu bleiben, was mir auch sehr gut gelang. In einer etwas ruhigeren Phase nach ca. 20km gelang zwei Fahrern die Flucht. Einige Kilometer später reagierte das Feld indem die stärksten Fahrer an einer Welle kräftig attackierten. Ich versuchte dran zu bleiben und schnell war klar, dass dies eine rennentscheidende Situation sein könnte. Und ich war dort wo ich am liebsten bin: In der Ausreißergruppe. Zu sechst jagten wir nun die beiden Spitzenreiter, während das Feld nach einigen km Verfolgung aufgab. In der Gruppe kreiselten wir sehr gut, schnell hatten wir die beiden vor uns eingeholt und ich fühlte mich immernoch gut. Lediglich vor dem mit 200Hm längsten Anstieg hatte ich vor Attacken angst, zu Unrecht denn niemand wollte den restlichen Weg alleine Fahren. So musste die Schlusssteigung entscheiden. Gleich unten rein attackierte ich (das Tempo war gerade raus), konnte mich aber nicht entscheidend absetzen. Dennoch reduzierte diese Tempoverschärfung die Gruppe auf die Hälfte. Auf den letzten, steilsten Metern kam es dann zum Sprint, bei dem ich hinter einem sehr starken Fahrer vom veranstaltenden Verein und dem KT-Profi auf den dritten Rang fuhr.
Von diesem Resultat bin ich selbst ziemlich überrascht, hätte nicht gedacht, dass meine Form schon so gut ist. Das Winterprogramm mit Cross-Saison und Langlaufen scheint auf jeden Fall kein schlechtes zu sein.
Mein nächstes Renneinsatz wird vermutlich am Sonntag sein, allerdings auf flachem Kurs.
Nach dem Frustrennen letztes Wochenende entschied ich mich dieses Wochenende auf lange Trainingseinheiten zu verzichten und doch ein Rennen zu bestreiten. Ich wollte endlich mal wissen wie gut meine Form wirklich ist, in einem richtigen Radrennen. Ein Massenstart mit einem starken 70 Mann Feld entspricht doch eher meiner Vorstellung von Radrennen als der Start in einzelnen Gruppen. Allerdings gibt es da auch einen großen Unterschied zu Deutschland, und zwar werden die Straßen nicht gesperrt!! Lediglich an den Kreuzungen steht ein Helfer, der den Verkehr aufhält, dennoch kommen einem dauernd fahrende Autos entgegen. Aus diesem Grund hatte ich vor dem Start etwas Angst, hatte ich doch wenig Lust mit einem fahrenden Auto zusammenzuknallen. Im Rennen zeigte sich jedoch schnell, dass es gar kein so großes Problem ist. Sobald ein Auto entgegenkommt hallt ein Schrei durch das Feld und alle Fahrer machen soweit Platz, dass man immer auf seine Fahrbahn kommt. Die meisten Autos halten auch am Straßenrand an. Dennoch ist es nicht ganz ungefährlich, weshalb ich versucht habe auf meiner Fahrbahnhälfte zu bleiben. Im Feld wird auch wesenlich ruhiger gefahren, man macht sich gegenseitig Platz und fährt nicht in Lücken, die es nicht gibt; sehr angenehm! Die 85km lange Strecke war ziemlich wellig(1000hm), jedoch ohne lange Anstiege. Nur zum Ziel ging es 2km bergauf, also genau mein Ding. Am Start waren neben vielen Jedermann-Amateuren auch ein KT-Fahrer und ein paar richtig gute Amateure. Diese gaben direkt nach dem Start bei Seitenwind auch gleich richtig Gas und attackieren die ganze Zeit. Ich versuchte so oft wie möglich mitzugehen, allerdings fühlte ich mich nicht stark genug eine 50-70km Flucht durchzuziehen. Nur wenn sich eine große Gruppe bildet, wollte ich dabei sein. Nach ca 25 km schafften erst 10 ungefährliche Fahrer und dann alle Favoriten die Flucht nach vorne, auf nimmerwidersehen. Ich erholte mich gerade von den anderen Attacken. Allerdings waren nicht alle so stark, so dass wir nach und nach einzelne Fahrer aus der Spitzengruppe einsammelten und diese auf 5 Mann schrumpfte. Nachdem das Rennen entschieden war, war auch die Luft im Feld raus und wir bummelten so dahin. Ich versuchte noch wegzukommen, da wir aber die letzten 35km Gegenwind hatten, war das absolut nicht möglich. Also sparte ich Energie für den Schlussanstieg. Die Sache dort ist einfach erzählt, vollgas hoch und 150m vor dem Ziel hat mich noch einer abgespurtet. Damit blieb mir Rang 7 (Durchschnittsgeschw. 38,1kmh), mit dem ich hochzufrieden bin.
Nachdem ich Anfang April zum ersten Mal die Langlaufskier mit dem Fahrrad getauscht habe, blieb mir nicht die gewohnte Zeit für den Formaufbau. Dennoch konnte ich in den letzten Wochen sehr gut trainieren. Trotzdem hatte ich fast keine intensiven Einheiten, weshalb ich das Rennen eher als Training sah. In Norwegen sind die Rennserien etwas anders aufgebaut, so gibt es wenige nationale Rennen, die meisten sind auf lokaler Basis und werden Turritt genannt. Dort kann im Grunde auch jeder starten, weshalb die Leistungsspanne von fast Profi bis Hobbyradler reicht. Der große Unterschied bei diesem sogenannten Turritt im Vegleich zu Deutschland ist der Modus. Das Starterfeld wird in 50 Mann starke Gruppen aufgeteilt, welche in 5 Minuten Abstand starten. Einige Vereine schaffen es tatsächlich eine komplette Gruppe zu stellen, für die ist es ein großes Mannschaftszeitfahren. Kleine Vereine müssen sich mit den offenen Gruppen begnügen, in denen das Niveau deutlich niedriger ist, man nicht gut zusammenarbeitet und man schon deshalb keine Chance hat. Die Straßen sind auch nur halbgesperrt(voller Gegenverkehr). An großen Kreuzungen steht jedoch ein Helfer, der den Verkehr gegebenenfalls stoppt.
Ich ging für den OSI (Oslo students idrettsklubb) an den Start(hier in Norwegen werde ich für sie fahren, da ich einen Großteil vom Startgeld erstattet bekomme), leider fehlten die 4 stärksten Fahrer des Vereins. Dies lag zum Teil auch am Wetter. Bei strömenden Regen und 4°C kommt man eigentlich nicht auf die Idee 80km Radrennen zu fahren (wer sich vom RSV noch an Forchheim 08 erinnert, die Bedingungen waren fast so schlecht wie damals). Da ich das Startgeld von 50€(!!!) schon bezahlt hatte, wollte ich trotzdem fahren. So zog ich nahezu alle meine Klamotten an um während des Rennens nicht kalt zu werden.
Der Start war dann der langsamste den ich je erlebt habe, erst habe ich mich gewundert warum alle mit kleinem Kettenblatt an der Startlinie stehen, dann habe ich mich gewundert warum alle seelenruhig losfahren. Um mir nicht gleich den Unmut der Teamkameraden aufzuziehen, entschied ich mich einfach mitzurollen, und möglichst viel Führungsarbeit zu machen. Nachdem ich nach der ersten Welle den Fuß leicht auf dem Pedal gelassen habe (war echt nicht wild) hatte sich meine Gruppe allerdings schon auf 20 Mann reduziert und ich hatte schon ein Loch zum Hintermann, also wieder warten. Meine Laune verschlechterte sich mit jeder Sekunde. War das ein gemütliches Training oder ein Rennen?? Ich langweilte mich also ziemlich in der Gruppe und musste mir anhören, dass ich nicht alle Kräfte am Anfang raushauen sollte. Dabei wollte ich eigentlich nur warm bleiben. Trotzt Winterhandschuhen, die ich bei -20 Grad zum Langlaufen an hatte, wurde das schwierig. In einem kleinen Anstieg nach 20km schlug ein Mitfahrer (nicht von meinem Team) ein leicht höheres Tempo an. Ich folgte ihm mühelos und auf der Kuppe sahen wir den Rest nicht mehr. So entschlossen wir uns weiterzufahren und damit ging es endlich ging los. Wir erhöhten die Schlagzahl, gaben endlich richtig Gas und harmonierten gut. Trotzt des Regens kam da etwas Spaß auf, auch weil wir viele abgehängte der vorherigen Gruppe überholten. 40km ging das richtig gut, dann kamen die letzten 20km und der Gegenwind. Wir hatten gerade eine ca 7 Mann starke Gruppe überholt und haben uns dann dieser angeschlossen. Diese hatte eine ordentliche Geschwindigkeit und ich spürte meine Beine auch schon etwas. Bei dem Gegenwind war das eine gute Unterstützung. Auf den letzten Wellen vor dem Ziel gab ich noch mal alles, allerdings kam da nicht mehr viel. Immerhin gewann ich meine Startgruppe und hatte 5 Minuten Vorsprung auf den zweiten vom OSI, allerdings ist ein Schnitt von 36,7kmh (38,2 nachdem wir weggefahren sind) ziemlich mies. Angesichts der Bedingungen (vorallem die schlechte Startgruppe und das Bummeltempo am Anfang) war aber auch nicht viel mehr drin. Nach der Zielduchfahrt habe ich versucht mich möglichst schnell wieder aufzuwärmen, allerdings hab ich nicht mal Duschen gefunden. jetzt hoffe ich, dass ich nicht krank werde. Meine nächsten Rennen werden auf jeden Fall Massenstart sein, ich bin sicher, dass es dann besser läuft.
Lukas Altenkamp